Interview zur neuen Zivilisationskrankheit

Hier lest ihr ein Interviwe was ich mit einer Person gehalten habe die selbst schon einmal unter Computerspielsucht gelitten hat.

Ich habe mich im Internet mit einem ehemaligen Spielsüchtigen getroffen und ein Chatinterview durchgeführt.

Er schildert im Anschluss seine Problematik, so wie sie ihm sein Psychologe erklärt hat.

 

Frage 1: Wie alt bist Du?

Antwort 1: Milltlerweile zähle ich 19 Lenzen!


Frage 2: Mit wie viel Jahren hast du angefangen dich mit der
Thematik des virtuellen Spielens auseinander zu
setzen?


Antwort 2: Angefangen hat das ganze schon mit Konsolen, sollte der
Super Nintendo meines Bruders gewesen sein, damals war
ich im zarten Alter von sechs Jahren, unsere Generation
ist eben schon sehr früh mit solchen technischen
Geräten in Berührung gekommen.

Frage 3: Mit wie vielen Jahren fing deine „Sucht“
an?


Antwort 3: Nunja, Sucht ist ein starkes Wort, ich denke die
Definition ist für mich persönlich nicht richtig, der
Zeitraum war meiner Meinung nach einfach zu kurz, dass
man von einer Sucht sprechen kann.
Wie dem auch sei: Meine „Sucht“, wenn man
es so nennen will, fing nicht plötzlich an, sie bahnte
sich in einem Zeitraum von c.a. 1 – 1 ½ Jahren
an. Mit 13 Jahren fing ich an, Gaming als mehr als
„nur“ ein Hobby zu sehen, ich wollte den
Sprung in die professionelle Szene schaffen und somit
war der Grundstein für die „Sucht“
gegeben.

Frage 4: Gibt es einen Grund, warum du dich der Realität
entziehen wolltest?


Antwort 4: Hier spielen mehrere Faktoren eine Rolle, wobei ich mir
nicht nur die Opfer Rolle zuschreiben möchte, es
gehören immer zwei dazu, deswegen kann ich eine
Teilschuld nicht gänzlich von mir weisen sondern muss
meinen dazu beigetragenen Teil eingestehen.
Wie bereits erwähnt, spielen hier mehrere Faktoren eine
tragende Rolle: Zum einen spielt hier der Umzug von NRW
nach Baden – Württemberg eine immense Rolle, ich
fing praktisch wieder bei Null an und hegte keinerlei
Ambitionen ein neues soziales Netzwerk aufzubauen, hier
sehe ich den Part meiner Schuld.
Wozu denn auch? Damals hatte ich mit meinem PC, dem
Internet Anschluss und Warcraft III alles, was ich
damals zum Leben und interagieren brauchte.
Die Schule gab es zwar trotzdem in meinem Leben, diese
nahm ich aber eher als eine Art lästige
Pflichtveranstaltung an, welche mir kostbare Zeit
raubte meine Ziele in die Tat umzusetzen.
Auch durch die Lasten, welche das andere Bildungssystem
mit sich trug und die damit verbundene Neuorientierung
trug einen Teil dazu bei, mir war es relativ egal, ich
tat nur das Nötigste um durchzukommen, der Rest meiner
Zeit wurde ins Gaming investiert.

Frage 5: Was dachtest du während dem Spielen?

Antwort 5: Hierbei traten mehrere Emotionen nahezu simultan auf:
Es war eine Art des Freiheitsgefühls für mich, ich
konnte den Alltag hinter mir lassen und auch sonstigen
Stress hinter mir lassen.
Doch nun das Paradoxe an der Geschichte: Gleichzeitig
traten in mir so viele Hass – Gefühle auf, wenn
mir ein Fehler unterlief, dass schon so manches
Peripherie – Gerät (Maus, Tastatur, Headset)
darunter zu leiden hatte.
Meine sozialen Ängste, dass nicht vorhandene soziale
Netzwerk und zudem die Probleme, welche ich aus NRW mit
mir trug, übertrugen sich natürlich auf mein Verhalten
im Spiel und so sind meine zwiespältigen Emotionen zu
erklären.

Frage 6: War dir dein "richtiges Leben" egal?

Antwort 6: Natürlich war es das, ich hatte ja nicht großartig viel
um das ich mir hätte Sorgen machen müssen, meine
Familie stellt da die einzige Ausnahme dar.
Die Schule war mir, wie bereits oben erwähnt, relativ
egal, ich tat das Nötigste, es ging auch, der Rest
waren Sorgen um mein Spiel, so unverständlich es sich
auch anhören mag.

Frage  7: Hast du die Schule vernachlässigt?

Antwort 7: Habe ich, ja. In dieser Zeit konnte ich nicht meine
volle Kapazität abrufen, wie es danach der Fall war,
ich hing immer im unteren Mittelfeld, eben genug das es
reicht und ich sehr viel Zeit fürs Gaming aufwerten
konnte.

Frage 8: Hast du deine Familie vernachlässigt?

Antwort 8: Ansichtssache, ich habe ihnen in dieser Zeit sicherlich
einiges an Leid angetan, jedoch war ich fast immer
präsent, insofern musste du dir aussuchen wie du es dir
auslegen willst.

Frage 9: Hattest du Freunde?

Antwort 9: Außerhalb des Gaming, wenn man diese Leute als Freunde
bezeichnen kann, nein, höchstens Bekannte, aber
großartig habe ich mit ihnen, bis auf ein- zweimal,
nichts unternommen, mein „soziales“ Leben
fand in einer ganz anderen Welt statt.
Diese gab mir alles, was ich im „richtigen“
Leben nicht hatte.

Frage 10: Welche Konsequenzen ergaben sich aus deiner Sucht?

Antwort 10: Viele, ich kann nicht auf alle eingehen, da sie mir
sicherlich nicht alle einfallen, einige größere werde
ich aber im Stande sein zu nennen: Die Therapie war die
größte Konsequenz, welche ich jemals aus meinem
Verhalten zu spüren hab bekommen. Ein vierwöchiger
Aufenthalt in einer Psychiatrie ist, denke ich, für
niemanden ein einfaches Ding, deswegen würde ich dies
als die schwerwiegendste Konsequenz aus meinem
Verhalten nennen.
Zudem kam das Leid, welches ich meiner Familie antat,
es tut mir bis heute noch leid, ändern kann ich es
leider nicht mehr, ich kann nur versuchen
Schadensbegrenzung zu betreiben.

Frage 11: Hast du etwas daraus gelernt?

Antwort 11: Fangfrage! Natürlich habe ich das, zwar habe ich nach
der Zeit in der Klinik weiterhin gespielt, im Punkte
Gaming habe ich es sogar weiter als zuvor geschafft.
Dennoch wusste ich meine Zeit zu begrenzen. Klar, es
gab nach wie vor Tage an denen man Mal den gesamten Tag
am PC verbrachte, dies stellt aber nicht die Regel dar,
im Gegensatz zu damals. Ich baute mir ein soziales
Netzwerk auf, besuchte die Schule wieder regelmäßig,
ist zwar oft lästig aber man steht drüber und
ansonsten: Süchte sind böse!

Daniela am 30.9.09 20:33

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Heinick (30.9.09 23:33)
Hallo Daniela,
ich bin richtig stolz auf Sie! Ein sehr gutes Interview! Tolle Fragen und interessante Antworten!